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"Paradise Lost" als lyrische Fundgrube

"Paradise Lost" als lyrische Fundgrube

Ronald Johnson, Radi os

Ronald Johnson, Radi os. Chicago, IL: Flood Editions, 2005. Photo: Dorothea Schuller

"Radi os" - der Titel dieses Gedichts von 1977 des amerikanischen Schriftstellers Ronald Johnson ist ein melodisches Überbleibsel der zwei Wörter "Paradise Lost". Denn das epische Gedicht von John Milton aus dem Jahr 1667 ist der Prätext, aus dem Johnsons Werk mit den Mitteln der erasure poetry gewonnen wurde, bei der aus vorgefundenen Texten Teile ‘gelöscht’ werden. In "Radi os" wurden die Leerstellen beibehalten, die die Worte Miltons hinterlassen haben. Sie setzen Johnsons Gedicht in ein ungewöhnliches visuelles Spannungsverhältnis mit der Buchseite und verweisen konstant auf seine literarische Vorlage.

Ein kurzer Blick auf die Forschungsliteratur zeigt die Vielfalt der Themen und Ideen, die in Bezug auf Johnsons Gedicht diskutiert werden, wie zum Beispiel die Beziehung Johnsons zu dichterischen Vorbildern wie Milton und Blake, die Gemeinsamkeiten seiner literarischen Methode mit dem von Blake genutzten Verfahren der Ätz-Radierung oder die Verortung des Gedichts in der amerikanischen Literaturgeschichte. Johnsons Gedicht wird einerseits als poetische Neuschöpfung betrachtet, andererseits eher als die Arbeit eines Editors als die eines Autors.

"Radi os" befindet sich also im Zentrum vieler Themen und Fragen, die die Arbeit von Literaturwissenschaftler*innen und Literaturhistoriker*innen in den letzten Jahrzehnten bestimmt haben. Es bietet gleichsam einen erhöhten Punkt, von dem aus weite Forschungsfelder wie Intertextualität und Autorschaft überblickt werden und Fragen zu Genre, zum Begriff der Postmoderne oder zur Rezeption von kanonischer Literatur verhandelt werden können.

Für die Neuauflage des Gedichts von 2005 wurde ein Detail aus Blakes Gemälde "Satan Watching the Endearments of Adam and Eve" (1807) für die Covergestaltung verwendet, der mehrere Illustrationsserien zu Miltons Werk geschaffen hat.

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