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Ein juristisches Standardwerk – aktueller denn je

Ein juristisches Standardwerk – aktueller denn je

A look inside 'Standards of American Legislation'

A look inside 'Standards of American Legislation'. Photo: Michael Ernst CC BY 4.0

In der heutigen, schnelllebigen Zeit scheinen "Deals" einen höheren Stellenwert zu besitzen als eine ausgewogene Bewertung von Vor- und Nachteilen sowie sonstigen Auswirkungen der Gesetzgebungsvorhaben auf alle Schichten der U.S.-amerikanischen Gesellschaft. Sollten diese Rechtsetzungsakte nicht gerade die Möglichkeit bieten, die verschiedenen, widerstreitenden Interessen gehaltvoll abzuwägen, indem spezialisierte Fachleute und Institutionen an den Verfahren beteiligt werden? Wer sich mit den Aufgaben und der Zusammensetzung des U.S-Kongresses beschäftigt, wird feststellen, dass gerade die Kontrolle des Präsidenten, der Exekutive und die Rechtsetzung die Hauptaufgaben dieses Gremiums sind (English 10–11). Eine Beteiligung des Kongresses beim Erlass umstrittener Gesetze sollte demnach die Regel, nicht die Ausnahme sein. Dies scheint dagegen unter einer Präsidentschaft in Frage zu stehen, die zu großen Teilen auf "Executive Orders" basiert (Peters und Woolley). Einmal erlassen, ist nur für wenige Fälle eine Überstimmung des Präsidialerlasses seitens des Kongresses wahrzunehmen, sei es aufgrund der Kostspieligkeit des notwendigen Revisionsverfahrens oder eines Vetos des Präsidenten (Schickler und Lee 805).

Obwohl das vorliegende Werk in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten ist, könnte Standards of American Legislation von Ernst Freund eine Orientierungshilfe gerade in der heutigen Zeit bieten. Dieses Standardwerk U.S.-amerikanischer Gesetzgebungslektüre stellt Richtlinien auf, die zwingend einzuhalten sind, um Gesetzgebungsvorhaben ausgewogen zu gestalten.

Der Ursprung des Buches erklärt seinen ganz eigenen Charakter: Es ist keine systematische Abhandlung, sondern vielmehr eine Aufsatzsammlung konstruktiver Kritik an bereits etablierten Gesetzgebungsgrundsätzen. Das Werk entstand als eine Reihe von Vorträgen, die 1915 an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland gehalten wurden. Der Autor schlägt eine Methode vor, um die etablierte Lehre des Verfassungsrechts zu ergänzen, die durch Negation und Revision Gesetzesnormen durchsetzt. Durch ein System positiver Grundsätze, die die Erarbeitung von Regelungen leiten, versucht das Werk, dem Begriff des ordnungsgemäßen Gesetzgebungsprozesses einen klareren Sinn und Inhalt zu geben.

Viel beachtet seit dem Erscheinen im Jahr 1917, gewann der Autor mit diesem Buch, welches sich nachfolgend als Standardwerk etablierte, 1919 den Ames-Preis der Harvard Law School, Ein Blick in dieses Werk ist jedem zu empfehlen, der sich auf die Werte einer ausgewogenen Gesetzgebung besinnen und möglicherweise Parallelen zu aktuellen Ereignissen ziehen möchte.

Über den Autor

Ernst Freund (1864–1932) war ein bekannter amerikanischer Rechtsgelehrter. Er erhielt den Doktortitel der Rechtswissenschaften von der Universität Heidelberg (1884) und einen Ph.D. in der Politikwissenschaft von der Columbia University (1897). In den Jahren 1894 bis 1902 war Freund Professor für Politikwissenschaft und von 1903 bis 1932 Professor für Rechtswissenschaften und Öffentliches Recht an der Universität von Chicago. Er ist maßgeblich für die Entwicklung des Verwaltungsrechts in den Vereinigten Staaten verantwortlich.

Werke

Freund, Ernst. The Legal Nature of Corporations. Chicago: U of Chicago P, 1897.
[SUB library catalogue entry][read it online]

Freund, Ernst. Jurisprudence and Legislation, St. Louis: 1904. [read it online]

Freund, Ernst. The Police Power: Public Policy and Constitutional Rights. Chicago: Callaghan, 1904. [read it online]

Freund, Ernst (with Heinrich Brunner). The Sources of English Law. Boston: Little, Brown, 1908. [read it online]

Freund, Ernst. Cases on Administrative Law Selected from Decisions of English and American Courts. American Casebook Series, St. Paul: West, 1911. [read it online]

Freund, Ernst. The Problem of Adequate Legislative Powers under State Constitutions. New York: Academy of Political Science, 1914. [read it online]

Freund, Ernst. Standards of American Legislation. Chicago: U of Chicago P, 1917.
[SUB library catalogue entry][read it online]

Freund, Ernst. The Growth of American Administrative Law. St. Louis: Thomas Law Book Co., 1923.[SUB library catalogue entry][read it online]

Freund, Ernst. Administrative Powers over Persons and Property; a Comparative Survey. Chicago: U of Chicago P, 1928.[SUB library catalogue entry]

Rezensionen

“We have seldom read an essay so philosophically and learnedly written and one which at the same time is extremely interesting as well as constructive. Mention is made of practically all our general classes of legislation during the last century, and in every instance we are treated with a learned historical review of the subject under consideration.” – American Law Review 52 (1918): 476. [SUB library catalogue entry]

“The great quality which Ernst Freund brought to the study of administrative law was his capacity for analysis. He was the Austin of the jurisprudence of administrative law.” – W.I.J., Law Quarterly Review 49 (1933): 588. [SUB library catalogue online]

Bibliographische Angaben

English, Ross M. The United States Congress. Manchester: Manchester UP, 2003. [SUB library catalogue entry][read it online]

Schickler, Eric und Lee, Frances E., ed. The Oxford Handbook of the American Congress. New York: Oxford UP, 2011. [SUB library catalogue entry]

Peters, Gerhard und Woolley, John T. The American Presidency Project. 2017. 15. Januar 2018 <http://www.presidency.ucsb.edu/data/orders.php>.